Montag, 20. Januar 2014

...stecke fest in Buenos Aires

Schon wieder sind etliche Tage ins Lande gestrichen seit dem letzten Eintrag meinerseits. Die Erklärung dafür ist einfach; mein Erlebnishorizont ist einfach recht gering und auf einer Abenteuerskala von 1 bis 10 (10 = allein mit einer Machete im Dschungel ; 1 = den ganzen Tag vor der Glotze vegetieren und Kartoffelchips futtern) würde ich dafür etwa 2 bis 3 Punkte vergeben. Spaßeshalber gebe ich an dieser Stelle mal einen Durchschnittstag der letzten Woche wieder: Wir stehen gegen 8:00 morgens auf, dann husch unter die kalte Dusche und anschließend wird das Frühstück zubereitet, welches parktisch täglich aus einem Bananen-Orangensmoothie, einem Michkaffee und einer Scheibe Toast wechselnden Belagesb besteht und anschließend in Eile gegessen. Um 9:00 gehts mit dem Auto, einem VW Suran, die südamerikanische Variante eines deutlich geschrumpften Passat, welche nebenbei erwähnt sicher keinen internationalen Designpreis hat für sich verbuchen können, zur Sprachschule. Dort sitze ich dann mit zwei jungen Schweden im "Retardierten-Kurs", dem "Basico" und lerne bis 13:30 für die alltägliche Kommunikation unverzichtbare Sätze wie "Como te llamas?" oder "Quantos anos tenes?". Es ist deprimierend mich hier meiner Lieblingsbeschäftigung, dem smalltalk, bis auf unbestimmte Zeit beschnitten zu wissen und das in einem Land mit schier unzähligen Frauen enormer Attraktivität. Ich leide wirklich! 
Nach dem Kurs wird es dann richtig spannend. Zunächst hole ich Matthias, welcher aufgrund der ordentlichen Sprachkenntnisse in einem anderen Gebäude den "Intermedia-Kurs" absolviert, ab und wir fahren dann entweder in Baumärkte oder auch in Kücheneinrichtungsläden. Mit den dort zahlreich erworbenen Produkten jedweder Coleur und Qualität fahren wir nach Hause, schleppen die Dinge bis zum Fahrstuhl und richten ein bzw. werkeln ein wenig. Nun ist es meistens schon etwa 21:00 wir sind beide erschöpft und ob des geringen Erlebniswertes des Tages auch frustrier tund fangen das Trinken an. Gegen Mitternacht legen wir uns schlafen. Ach ja, fast vergessen: zwischendurch machen wir noch die Hausaufgaben für die Sprachschule...
So interessant geht es also im Moment in Argentinien zu! Es gibt natürlich auch zwischendurch mal schöne Erlebnisse und außerdem scheint den ganzen Tag die Sonne. Ich muss halt einfach immer ein wenig nörgeln, da ansonsten dem durchschnittlichen Ostwestfalen etwas wichtiges zu fehlen scheint im Leben!

Allgemein kann gesagt werden: der Argentinier als solches ist langsam und zwar richtig langsam. Darunter leide ich übrigens auch. Gerade an der Kasse wird der Unterschied zu Deutschland mehr als deutlich. Neigt der Normalbürger beim Aldi an der Kasse eher dazu nervös zu werden, aus Angst man könne nicht schnell genug in der Lage sein Erworbenes rechtzeitig vom Band in die Tasche verpacken zu können und so dem Groll der Kassiererin ausgesetzt zu sein wird man hier (zumindest ich) nervös und unruhig, weil es völlig unbegreiflich ist, wie jemand so langsam zu arbeiten in der Lage ist. Ich war hier bestimmt schon 20 mal an der Kasse und habe es nicht einmal erlebt, ohne irgendeinen stark verzögernden Zwischenfall abkassiert zu werden. Am Ende gibt es dann jedoch immer ein kleines Bonbon wenn man mit Hundertern zahlt: Ob man es nicht kleiner hätte? Um die Absurdität dieser Fage durchdringen zu können muss man folgendes wissen: 1. Die Lebensmittel haben ähnliche Preise wie in Deutschland und 2. Der Hundert-Peso-Schein ist der größte Schein des Landes, hat allerdings nur einen Gegenwert von 7,-€. Wenn man also für 360,- Peso eingekauft hat, also für etwa knapp 30,-€ ist es nicht statthaft mit vier Hunderten zu zahlen, sondern am besten passend. 

Neben der Langsamkeit der Leute ist ein zweites Phänomen deren Ausgehverhalten, denn da kann sich beinahe auch Berlin hinter verstecken. Man geht hier sehr gerne aus, allerdings ganz sicher nicht früh. Die Restaurants füllen sich gegen 22:00, die Bars so ab 1:00 und in den Clubs bekommt man bis 3 Uhr morgns freien Eintritt. Wer jetzt denkt "Na OK, ist schön spät, aber warum denn nicht am Wochenende?" irrt, das ist auch in der Woche so!
Der Staatsbankrott, welcher dieses Land vor einigen Jahren ereilte, überrascht somit keineswegs, da das argentinische Volk offensichtlich vollständig aus trägen, phlegmatischen Stoikern besteht, welche täglich zwischen ein und fünf Uhr morgens ihren Energie-Peak verspüren, den sie dann mit ordentlich Schnapps versuchen wieder in den Griff zu bekommen. Nein, so kommt man nicht zum G8-Gipfel, das kriegen die Chinesen - und das behaupte ich ohne je einen Fuß in dieses fleißige Land gesetzt zu haben - einfach mal besser hin! 

Der Park auf unserem Dach. Am Ende des Bildes links ist dann der Pool. Da geh ich aber nicht so gerne rein, weil der im Flachbereich immer voll mit kleinen Bälgern ist und die bestimmt daran Spaß haben dort täglich mehrfach Pipi zu machen.

Mein grandioser Spanisch-Kurs. Links die Lehrerin Fernanda, nebst Pontus und Daniel. Wenngleich Pontus ausgezeichnet Englisch spricht, scheint er nicht sonderlich sprachbegabt; nach 6 Kurstagen vermag er immer noch nicht bis 10 zu zählen....

Unser Ausflug zum Parana-Delta etnsprach beileibe nicht meinen Erwartungen. Ging ich törichterweise von Quadtratkilometern unberührter Feuchtgebiete mit einzigartiger Biodiversität aus (soll es dort, jedoch an anderer Stelle, wirklich geben, handelt es sich immerhin um das viertgrößte Flußdelta der Erde), wurden die Wasserwege von Luxusvillen, Hotels, oder auch wie hier, von vor sich hin rostenden Frachtschiffen gesäumt.

Eigentlich hätte es unser für teures Geld privat angeheuerter Bootskäptn mittels einer durchaus einfachen Transferleistung ahnen können: Das Wasser hat in diesem Bereich in puncto Tiefe vermutlich keine Kopfsprungeignung! Hat er aber nicht, Stattdessen ging es mit tüchtig Schwung rein in den feinen, morastigen Untergrund des Deltas. Immerhin war der Motor des Bootes leistungsstark genug, um uns aus dieser festgefahrerenen Situation nach einigen Versuchen zu befreien.

Wie ein fleißiges Bienchen täglich ohne Klagen den Nektar für ihre gefräßige Königinnenbrut sammelt, lerne ich eifrigst meine Vokabeln.

In diesem Moment kehrt Matthias heim mit den Worten "ich glaube, irgendwann haue ich hier noch irgendeinem eins auf die Fresse!". Für einen simplen Umtausch eines kaputten Stuhles durfte er sich offensichtlich viermal an vier verschiedenen Kassen des Baumarktes anstellen. In selbigen Geschäft wurden wir übrigens gestern darüber informiert, dass man für Käufe mit einem Geldwert von über 1000,- Peso (ca. 70,-€) eine besondere Karte beantragen muss. Soll heissen, dass wir bereits gestern drauf und dran waren jemanden auf die Fresse zu hauen....  

1 Kommentar:

  1. Hi Oli!
    Tja, was sollen wir dazu sagen... Du erinnerst dich an unsere Erzählungen aus Argentinien bzw. Südamerika?! Wir haben uns köstlich amüsiert, dass Du auch diese Erfahrungen machst im Geschäft an den Kassen. Lass Dich trösten, es wird NICHT besser und den Rekord halten die Brasilianer! Bei solchen Erlebnissen lernt man es zu schätzen, wie es hier bei uns in Deutschland ist.
    In den Pool wären wir auch nicht reingegangen. Die Plagen pinkeln sicher da rein! Hast Du dir schon mal die Frage gestellt, warum der Wasserstand immer gleich hoch ist bei den Temperaturen?!
    Dann weiterhin viel Spaß im Baumarkt!
    P.S.: Meine Mama ist jetzt auch ein Fan von Dir und liest eifrig Deinen Blog:)
    Liebe Grüsse Lea und Jens

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