Dienstag, 28. Januar 2014

Patagonien - leben möchte ich hier nicht!!

Eins mal gleich vorweg: es muss schon reichlich viel an atemberaubenden Dingen passieren die nächsten Tage hier im Südzipfel des südamerikanischen Kontinents, um meine vielleicht etwas voreilig getroffene - denn schließlich verweile ich hier erst 24 Stunden - Meinung tiefgreifend zu ändern: überbewertet!! Zunächst einmal ist es hier schattig und zwar ziemlich, was allerdings zu erwarten war in diesen Breiten. Meine Reisebekleidung ist im Gegensatz dazu eher für die inneren Tropen ausgelegt und nicht für ständig heulende, eisige Winde und Temperaturen um die 16°C. Danke an dieser Stelle nocheinmal an Matthias, welcher mit clevererweise seinen flauschigen Kaschmirpulli "just in case..." als Leihgabe in Buenos Aires mit auf den Weg gab. 
Neben den doch harrschen klimatischen Bedingungen sorgen allerdings "die sich jählich wiederholenden, wundervollen Touristenströme" (hier zitiere ich aus einer vor Ewigkeiten gelesenen Reisebroschüre über die Costa Brava) bei mir für einigen Ungemach. Und am schlimmsten ist; einer davon bin ich ja selbst! Wer also sich mit dem Gedanken trägt "nach Patagonien würde ich gerne einmal reisen", und davon ausgeht meileweite Wanderungen durch idyllische Natur unternehmen zu können, beinahe ohne dabei einer Menschenseele zu begenen, dem sei gesagt er irrt und zwar gewaltig und er wird sich damit abfinden müssen im Tross zu gehen.Und ist man erst im Tross unterwegs, sucht man den "billigen Jakob" ebenfalls vergebens. Die Preise sind hier, sagen wir beinahe auf schweizer Niveau.
Abgesehen von der leider nicht ganz haltlosen Kritik gibt es hier natürlich auch Wunderschönes für das Auge, so auch der heute besuchte Nationalpark "Los Glaciares"...

Abschiedsabend mit Leuten von der Sprachschule. So weit ich mich erinnern kann ein gelungener und spaßiger Abend mit Menschen aus fünf Nationen. Kurze Zeit nach Enstehung der Aufnahme bin ich allerdings klammheimlich und schwerst beduselt in mein Zimmer verschwunden, um dort sechs Stunden später verkatert und in voller Montur wieder aufzuwachen

Luftbildaufnahme von Patagonien; geographische Lage: etwa 10 Km nördlich vom Airport El Calafate. Jetzt mal Hand auf Herz: Luftsprünge macht soeben genanntes Organ, nach Weiterleitung dieses visuellen Reizes ans Hirn doch wohl eher nicht, oder??

 So ein Gletscher, insbesondere wenn man das Glück hat und er kalbt in der Zeit seines Besuches...

..ist natürlich schon ein atemraubendes Gebilde der Natur. Dieser insbesonder, der Glaciar Moreno, da er offensichtlich der einzige Gletscher weltweit ist, dessen Masse nicht beobachtbar schrumpft.

...und so einen schönen, feinen, wundervoll blau leuchtenden Eisklumpen schaut man sich natürlich nicht ganz alleine an!!

 Ohh wehh, so fern meiner Heimat! Die Ausahl der Städte scheint einem nur dem Ladenbesitzer bekannten Prinzip zu folgen. Vielleicht sind dies aber auch einfach nur die einzigen Orte welche der/die Besitzer/in kennt. Der im Laden zum Kauf feil gebotene Nippes spricht zumindest stark für diese These. Dennoch nett, dieses Schild.

Da bisher spektakulärere Tiersichtungen wie Guanako, Patagonienskunk, Puma oder Gürteltier ausblieben, muss ich euch wohl oder übel mit Avifaunbistischen Portaits lanweilen. Hier beispielsweise der Schwarzzügelibis...

...und hier am wirlich schönen Lago Argentino ein fröhliches Vogelallerlei mit Schwarzhals- und Coscorobaschwan und dem Chileflamingo. Auch mal wieder typisch für die Ignoranz und auch Doofheit der Menschen. Obwohl die Touri-Stadt Calafate vollgestopft ist mit Gletschergaffern aus aller Herren Länder, den vom Stadtzentrum maximal zehn Gehminuten entfernten See schaut sich keiner von den bekoppten Ökotouristen auch nur mit dem Arsch an.

Montag, 20. Januar 2014

...stecke fest in Buenos Aires

Schon wieder sind etliche Tage ins Lande gestrichen seit dem letzten Eintrag meinerseits. Die Erklärung dafür ist einfach; mein Erlebnishorizont ist einfach recht gering und auf einer Abenteuerskala von 1 bis 10 (10 = allein mit einer Machete im Dschungel ; 1 = den ganzen Tag vor der Glotze vegetieren und Kartoffelchips futtern) würde ich dafür etwa 2 bis 3 Punkte vergeben. Spaßeshalber gebe ich an dieser Stelle mal einen Durchschnittstag der letzten Woche wieder: Wir stehen gegen 8:00 morgens auf, dann husch unter die kalte Dusche und anschließend wird das Frühstück zubereitet, welches parktisch täglich aus einem Bananen-Orangensmoothie, einem Michkaffee und einer Scheibe Toast wechselnden Belagesb besteht und anschließend in Eile gegessen. Um 9:00 gehts mit dem Auto, einem VW Suran, die südamerikanische Variante eines deutlich geschrumpften Passat, welche nebenbei erwähnt sicher keinen internationalen Designpreis hat für sich verbuchen können, zur Sprachschule. Dort sitze ich dann mit zwei jungen Schweden im "Retardierten-Kurs", dem "Basico" und lerne bis 13:30 für die alltägliche Kommunikation unverzichtbare Sätze wie "Como te llamas?" oder "Quantos anos tenes?". Es ist deprimierend mich hier meiner Lieblingsbeschäftigung, dem smalltalk, bis auf unbestimmte Zeit beschnitten zu wissen und das in einem Land mit schier unzähligen Frauen enormer Attraktivität. Ich leide wirklich! 
Nach dem Kurs wird es dann richtig spannend. Zunächst hole ich Matthias, welcher aufgrund der ordentlichen Sprachkenntnisse in einem anderen Gebäude den "Intermedia-Kurs" absolviert, ab und wir fahren dann entweder in Baumärkte oder auch in Kücheneinrichtungsläden. Mit den dort zahlreich erworbenen Produkten jedweder Coleur und Qualität fahren wir nach Hause, schleppen die Dinge bis zum Fahrstuhl und richten ein bzw. werkeln ein wenig. Nun ist es meistens schon etwa 21:00 wir sind beide erschöpft und ob des geringen Erlebniswertes des Tages auch frustrier tund fangen das Trinken an. Gegen Mitternacht legen wir uns schlafen. Ach ja, fast vergessen: zwischendurch machen wir noch die Hausaufgaben für die Sprachschule...
So interessant geht es also im Moment in Argentinien zu! Es gibt natürlich auch zwischendurch mal schöne Erlebnisse und außerdem scheint den ganzen Tag die Sonne. Ich muss halt einfach immer ein wenig nörgeln, da ansonsten dem durchschnittlichen Ostwestfalen etwas wichtiges zu fehlen scheint im Leben!

Allgemein kann gesagt werden: der Argentinier als solches ist langsam und zwar richtig langsam. Darunter leide ich übrigens auch. Gerade an der Kasse wird der Unterschied zu Deutschland mehr als deutlich. Neigt der Normalbürger beim Aldi an der Kasse eher dazu nervös zu werden, aus Angst man könne nicht schnell genug in der Lage sein Erworbenes rechtzeitig vom Band in die Tasche verpacken zu können und so dem Groll der Kassiererin ausgesetzt zu sein wird man hier (zumindest ich) nervös und unruhig, weil es völlig unbegreiflich ist, wie jemand so langsam zu arbeiten in der Lage ist. Ich war hier bestimmt schon 20 mal an der Kasse und habe es nicht einmal erlebt, ohne irgendeinen stark verzögernden Zwischenfall abkassiert zu werden. Am Ende gibt es dann jedoch immer ein kleines Bonbon wenn man mit Hundertern zahlt: Ob man es nicht kleiner hätte? Um die Absurdität dieser Fage durchdringen zu können muss man folgendes wissen: 1. Die Lebensmittel haben ähnliche Preise wie in Deutschland und 2. Der Hundert-Peso-Schein ist der größte Schein des Landes, hat allerdings nur einen Gegenwert von 7,-€. Wenn man also für 360,- Peso eingekauft hat, also für etwa knapp 30,-€ ist es nicht statthaft mit vier Hunderten zu zahlen, sondern am besten passend. 

Neben der Langsamkeit der Leute ist ein zweites Phänomen deren Ausgehverhalten, denn da kann sich beinahe auch Berlin hinter verstecken. Man geht hier sehr gerne aus, allerdings ganz sicher nicht früh. Die Restaurants füllen sich gegen 22:00, die Bars so ab 1:00 und in den Clubs bekommt man bis 3 Uhr morgns freien Eintritt. Wer jetzt denkt "Na OK, ist schön spät, aber warum denn nicht am Wochenende?" irrt, das ist auch in der Woche so!
Der Staatsbankrott, welcher dieses Land vor einigen Jahren ereilte, überrascht somit keineswegs, da das argentinische Volk offensichtlich vollständig aus trägen, phlegmatischen Stoikern besteht, welche täglich zwischen ein und fünf Uhr morgens ihren Energie-Peak verspüren, den sie dann mit ordentlich Schnapps versuchen wieder in den Griff zu bekommen. Nein, so kommt man nicht zum G8-Gipfel, das kriegen die Chinesen - und das behaupte ich ohne je einen Fuß in dieses fleißige Land gesetzt zu haben - einfach mal besser hin! 

Der Park auf unserem Dach. Am Ende des Bildes links ist dann der Pool. Da geh ich aber nicht so gerne rein, weil der im Flachbereich immer voll mit kleinen Bälgern ist und die bestimmt daran Spaß haben dort täglich mehrfach Pipi zu machen.

Mein grandioser Spanisch-Kurs. Links die Lehrerin Fernanda, nebst Pontus und Daniel. Wenngleich Pontus ausgezeichnet Englisch spricht, scheint er nicht sonderlich sprachbegabt; nach 6 Kurstagen vermag er immer noch nicht bis 10 zu zählen....

Unser Ausflug zum Parana-Delta etnsprach beileibe nicht meinen Erwartungen. Ging ich törichterweise von Quadtratkilometern unberührter Feuchtgebiete mit einzigartiger Biodiversität aus (soll es dort, jedoch an anderer Stelle, wirklich geben, handelt es sich immerhin um das viertgrößte Flußdelta der Erde), wurden die Wasserwege von Luxusvillen, Hotels, oder auch wie hier, von vor sich hin rostenden Frachtschiffen gesäumt.

Eigentlich hätte es unser für teures Geld privat angeheuerter Bootskäptn mittels einer durchaus einfachen Transferleistung ahnen können: Das Wasser hat in diesem Bereich in puncto Tiefe vermutlich keine Kopfsprungeignung! Hat er aber nicht, Stattdessen ging es mit tüchtig Schwung rein in den feinen, morastigen Untergrund des Deltas. Immerhin war der Motor des Bootes leistungsstark genug, um uns aus dieser festgefahrerenen Situation nach einigen Versuchen zu befreien.

Wie ein fleißiges Bienchen täglich ohne Klagen den Nektar für ihre gefräßige Königinnenbrut sammelt, lerne ich eifrigst meine Vokabeln.

In diesem Moment kehrt Matthias heim mit den Worten "ich glaube, irgendwann haue ich hier noch irgendeinem eins auf die Fresse!". Für einen simplen Umtausch eines kaputten Stuhles durfte er sich offensichtlich viermal an vier verschiedenen Kassen des Baumarktes anstellen. In selbigen Geschäft wurden wir übrigens gestern darüber informiert, dass man für Käufe mit einem Geldwert von über 1000,- Peso (ca. 70,-€) eine besondere Karte beantragen muss. Soll heissen, dass wir bereits gestern drauf und dran waren jemanden auf die Fresse zu hauen....  

Freitag, 10. Januar 2014

Wieder Sommer für mich in Buenos Aires

Es ist Freitag Abend 21:45 Uhr und ich schon ein wenig beschwippst; angenehm allerdings und nicht bereits tüchtig derangiert, wie man vielleicht annehmen möchte. Das kommt dann  später, denn es geht gleich ins berauschende, für mich noch unbekannte Nachtleben dieser doch ziemlich derb charmanten Metropole.
So, jetzt ist es elf und ich bin nun auch nicht mehr gering beschwippst, sondern durchaus betrunken, was wohl am zwischenzeitlich lustig konsumierten Gin Tonic gelegen haben könnte, daher für heute keine Texte mehr sondern lediglich ein Paar Bilder...
Drei Stunden Schlaf sind einfach zu wenig. Der mehr als zweifelhafte Stern am hiesigen Cocktail-Himmel, Fernet Branca/Cola konnte weder geschmack- noch preislich wohl aber von der Ausschankmenge überzeugen, was sich allerdings wiederum negativ aus den Geschmack auswirkt usw. - ekelig, wirkt aber. Nun egal, da wir uns am viel zu frühen morgen sputen müssen, da gleich das Zwischenappartement übergeben wird und wir danach das neue von Matthias angemietete Loft incl. Dachpark- und Freibad beziehen müssen. Es scheint also ein wundervoller Tag zu werden, verkatert umziehen, allerdings noch zwischendurch jedwede Möbel kaufen müssen...
Anmerkungen über Land und Leute, und insbesondere über die Leute gibt es allerlei zu sagen, werden auf den nächsten Eintrag verschoben, da nun Anderes auf der Agenda des Tages steht.
 


Mein Gastgeber Matthias, ebenso fertig wie ich, am International Airport.

Dieses Haus gibt aufgrund seiner doch recht schmal gehaltenen Seitenwand Rätsel auf: Wohnen dort Strichmännchen???

Kurz vor den Toren der City (Micro Centro), säumen sich rechts und links der Autobahn kilometerlang die Behausungen der Geringverdiener. Mit Slums hatte ich eigentlich nicht in dieser Stadt und vor allem nicht in dieser Lage und Größe gerechnet

Mit wundervollen Tierbildern ists schwer in der Großstadt. Hier der Mönchssittich, welcher wohl in Buenos Aires die ökologische Nische der Taube besetzt.

Beim Anblick dieser bedingt fahrbereiten Fahrzeuge direkt vor der Tür unseres heute zu beziehenden Loftes, kamen mir dann doch gewisse Zweifel, ob das Viertel, wie von Matthias behauptet, nun wirklich zu den besseren der Stadt zählt

Das Fenster im Fenster auf dem Dach unerer Wohnung , sorgt für eine sonderliche Optik


U-Bahnstationsschild im Citybereich. Man muss schon ziemlich oberflächlich hinschauen, um nicht überall den Verfall und damit auch die derzeitige wirtschaftliche "Kraft" des Landes zu sehen.

"mein Gott, was ist dieses Gebäude hässlich", dachte ich als wir diesen Betonklotz passierten. Beim genaueren Hinsehen entpuppte es sich als die größte Klinik der Stadt - bitte lass mich hier nicht ernsthaft krankwerden!!

Dienstag, 7. Januar 2014

noch in Bielefeld

Neun Uhr morgens in Bielefeld, um 13:22 geht der Zug nach Frankfurt und von dort über Madrid nach Buenos Aires, wo ich morgen früh landen werde. Was danach folgt in den nächsten fünf oder sechs Monaten liegt noch völlig im Dunkeln. Ziemlich sicher allerdings wird sich mein derzeit absolut rudimentärer Spanisch-Wortschatz erweitern und ich werde wohl auch ein Black Angus Steak, vielleicht sogar ein Meerschweinchen vertilgt haben während dieser Zeit. Darüber hinaus bin ich gespannt. Jetzt sollte ich aber endlich mal beginnen meinen Rucksack zu packen, bevor es wieder stressig wird....

So sieht es im Winter in "meiner" Straße in Bielefeld aus. Trotz des freundlichen morgens ziemlich trist. Bin auf jeden Fall nicht sonderlich trübselig von hier gleich zu verschwinden