Montag, 31. März 2014

in Santiago.... ohne Auto

Seit vorgestern befinde ich mich in Santiago de Chile bei Ben, einem alten Freund noch aus Bielefelder Zeiten, der der Buder meiner allerersten Freundin ist - über 30 Jahre ist das her; erschreckend!
Nach meiner Abfahrt aus Buenos Aires war meine Laune zunächst mal ziemlich bescheiden, denn ich habe mich ziemlich an Matthias Gegenwart oder auch die von Christina gewöhnt und plötzlich findet man sich alleine im Auto wieder und fragt sich, ob man überhaupt Lust hat die Nachbarländer Argentiniens auf eigene Faust zu erkunden. Angefühlt hat es sich zumindest erstmal nicht so. Nachdem ich Mendoza, die zweitgrößten Stadt Argentiniens, verlassen habe, habe ich in einem winzigen Bergkaff dann ein Tramperpärchen, Suzanne & Marcelo, samt deren Surfboards eingeladen und bin mit den beiden einige Tage durch die Gegend gefahren bis zur chilenisch-argentinischen Grenze. Weiter gings leider auch nicht, da die argentinischen Grenzbeamten sich störrisch wie Esel weigerten, mich samt des Autos in Chile einreisen zu lassen. Und wir haben alles versucht; Marcelo ist schließlich Argentinier und hat einen Führerschein usw. aber: nichts zu machen.... Nach kurzem Überlegen und zwei Telefonaten mit Ben habe ich mein Gepäck umgepackt, mich in einen Reisebus nach Santiago gesetzt und den Wagen am Grenzübergang in Chile stehengelassen. 
Die Reiseplanung komplett hinfällig, ein Auto in den Anden welches so bald wie möglich wieder dort abgeholt werden muss und und und. Aber darum kümmere ich mich später und geniesse erstmal meine Tage in Chile.

Tausende von Fotos, verschleppter, ermordeter oder vermisster Menschen sollen an diesem Sonntag in Mendoza an die Schrecken der Militärdiktatur in Argentinien (1976 - 1983) erinnern

Lämmchenfälle vor jeden Haus in der  Sierra de los Comechingones sahen irgendwie putzig aus, zumal ich bei der Durchquerung der Bergkette kein eiziges lebendes Schaf  hab sehen können.

 Suzanne und Marcelo freuen sich; die Weiterfahrt nach Chile scheint gesichert!

Um diese Vogelspinne in eine Streichholzschachtel bugsieren zu wollen, müsste man schon ziemlich drücken und quetschen.

 Wie das oft so ist mit Fotos der atemberaubende Anblick dieser Felswand im Nationalpark Sierra de las Quijadas kommt nicht rüber.

Bei der Namensgebung des Pampahasen hätte man sich sicherlich mehr Mühe geben können, denn weder ist er ein Hase, sondern ein großes Meerschweinchen, noch sieht er wie ein Hase aus. Andererseits klingt Pampameerschweinchen auch nicht besser.

Der Witold aus Aachen hat letztes jahr seine Firma verhökert und tingelt nun mit seinem Wohnmobil auf unbestimmte Zeit durch die Weltgeschichte. Respekt!!

Esel haben irgendwie etwas

So sieht ein typisches Asado in Argentinien aus. Ähnlich wie in der Türkei ist der Vegetarier in Argentinien ein rares Individuum.

Hier war die Welt noch in Ordnung. Eine phantastische Fahrt bei strahlend blauem Himmel durch die Anden machte glänzende Laune bis...

...zum Grenzübergang. Marcelo schnallt sich schon den Rucksack um, und mein Gepäck für die Busfahrt liegt auch schon griffbereit. Der VW Suran muss leider hierbleiben.

Ausflug nach Valparaiso mit Rose, Pamela, Ben, Sasha und Zorrito, Bens Hund.Obwohl mir die Stadt ganz gut gefallen hat, bin ich froh, dass ich 2010 eine Absage von der Deutschen Schule Valparaiso erhalten habe.

....Häuserkunst in Valparaiso

Samstag, 22. März 2014

Adieu Buenos Aires - auf nach Santiago

Die Wäsche in der Maschine, dann Trockner, Sachen packen und die Reise geht weiter. Merkwürdig, war ich die letzten zwei Wochen doch reichlich genervt, dass die Organisation der Autounterlagen, welche mich rechtskräftig als fahrberechtigt mit Versicherungsschutz ausweisen, so viel Zeit in Anspruch nahmen, bin ich jetzt, fahrbereit, doch ziemlich traurig, Buenos Aires zu verlassen. Nach zweieinhalb Monaten, abzüglich der Kurzreisen nach Patagonien, Uruguay und Brasilien, fühle ich mich hier fast schon zu Hause - liegt natürlich auch an der Gastfreundschaft von Matthias - und könnte mir auch durchaus vorstellen, hier zu leben. Bei meiner Planlosigkeit bezüglich meiner Zukunft: wer weiß...
Habe, nachdem ich noch mein persönliches "Dankeschönprojekt", dem Abschleifen und Lackieren des Wohnzimmerbodensordentlich zu Ende gebracht habe, noch einiges an Kulturprogramm, immer mit dem Fahrrad unterwegs, durchgezogen, was mir die Stadt noch einmal näher gebracht hat. 
Jetzt heißt es aber Abschiednehmen bis Juni und das ist auch gut so, hat doch unser täglicher Alkoholkonsum die kritische Menge längst überschritten.

 Mit Christina in Colonia (Uruguay) zum Dollarholen. Die werde ich wohl auch ganz schön vermissen.

Ein Opel Kapitän (P 1958/59) - da wurden früheste Kindheitserinnerungen wach. Kann mich nicht erinnern, wann ich in Deutschland das letzte mal ein solches Fahrzeug gesichtet habe. Stand übrigens zum Verkauf, man musste allerdings kein Autoprofi sein, um zu erkennen, dass dieses Auto mindestens ein halbes Jahr nicht mehr fortbewegt wurde.

Hätte es gerne ausprobiert, ob dem so ist, also Bier so ziemlich am Gefrierpunkt. Der sympathische Biergarten war jedoch leider geschlossen

Allenfalls die braune Farbe des Wassers verrät: Hier handelt es sich nicht um das große weite Meer, sondern um den Rio de la Plata.

Das Refugio Ecologico ist die Grüne Oase inmitten von Buenos Aires. Auf diesem Bild ist es mir wie durch ein Wunder gelungen, keinen schwitzenden Jogger, die sich hier haufenweise tummelten, mit abzulichten.

 Für den Kunstinteressierten ist das MALBA (Museum für lataeinamerikanische Kunst) eine Pflicht. Ich bin da ja eher ein Bauer, habe aber diesmal restlos begeistert das Museum nach einigen Stunden verlassen.

Selbstbildnis von Frida Kahlo. Die Gute hatte also auch nach eigener Wahrnehmung nicht nur zusammengewachsene Augenbrauen, sondern ebenfalls einen Damenschnäuzer.

Im Waffenmuseum wird man eindeutig von der unendlichen Anzahl an Handfeuerwaffen und Säbeln usw. erschlagen. Ob der Name "Scheintot" für ein Mordinstrument deutscher Herkunft werbewirksam war??

Noch vor einer Stunde festgehlaten - ein glücklicher Matthias im nun helleren Wohnzimmer. Vor einigen Tagen jedoch, kurz nachdem ich mit dem Schleifgerät die ersten Bahnen gezogen habe, es also kein Zurück mehr gab, die gesamte Wohnung zwei Stunden später in zentimeterdicken Staubschichten gehüllt war, die Maschine kaputt gegangen ist und die Arbeit nicht beendet werden konnte, da waren wir beide zwischenzeitlich kurz vorm Heulen. Es war eine reinste Katastrophe. Im Nachhinein ist dann, wie man hoffentlich sieht, doch noch alles gut gegangen!

So sah der Boden vorher aus, jedoch noch einen Hauch dunkler - absolut beschissen also!

Donnerstag, 6. März 2014

Aschermittwoch in Rio...

Stimme weg, Halsschmerzen und seit Tagen Glitzerreste im Auge die sich nicht herausspülen lassen, schmerzen und vermutlich einen Arztbesuch erfordern; meine Bilanz von Carnaval en Rio, der trotzdem ansonsten uneingeschränkt zu den besten Reiseentscheidungen meines Lebens zählt. Ich könnte wetten, dass genau dieser Kurztrip in einem dieser bescheuerten Bücher "the 99 things you have to do in your life" zu finden ist und das muss ich dann wohl auch bestätigen! Leider habe ich in meinem recht derangierten Gemütsszustand vor einer Stunde bemerkt, dass mein Flieger nicht, wie angenommen, um 19:45 nach BA fliegt, sondern genau um diese Uhrzeit landet; muss mich also jetzt sputen und Text und Bilder nachreichen...

Wieder in meiner Zweitheimat Buenos Aires bei Matthias. Flieger ohne Probleme gekriegt, da dieser üppig verspätet war. Ein ordentlicher Service und noch ordentlichere Gin Tonic konnten mich vertrösten; auf Emirates ist diesbezüglich Verlass.

Wie schon angedeutet, war der Trip nach Rio Lebensfreude in Reinstform und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Dass mus ich dann wohl auch sagen, denn ganz preiswert war dieses Partyunterfangen nicht. Brasilien gilt ohnehin schon als teuerstes Reiseland Südamerikas, beim Karneval verdoppeln bis verdreifachen sich dann jedoch noch die Preise. Alledings kosten lebenswichtige Naturalien, wie Bier und Caipirinca an den Blocos (der Kölner sagt hier "Veedelszoch") einen bzw. 2 Euro und damit kann man dann wiederum gut "arbeiten"

Die Fahrt vorher von Iguazu nach Rio eine einzige Katastrophe . für 27h in einem mittelmäßigen Reisebus zu sitzen der aufgrund eines Aircon-Schadens intensivst nach Phäkalien riecht, lässt einen nicht mit überschwänglichem Lächeln in Rio den Bus verlassen. Zusätzlich hatte ich noch keine Ahnung, ob alles mit meiner privaten Zimmerbuchung geklappt hat, da im Bus kein Internet und meine argentinische Simkarte in Brasilien nicht funkioniert. Also schnell mit dem Taxi zu einer Favela in Santa Teresa, bei welcher ich vorher via Mail ebenfalls nach einem verfügbaren Zimmer gefragt habe und alles Weitere wird sich schon ergeben.   Zunächst ist es jedoch durchaus etwas befremdlich, plötzlich von einem "normalen" Stadtviertel durch ein Stahltor eines von etwa 1000 im Stadtgebiet von Rio befindlichen Slums zu betreten. Ich musste ganz schön schlucken. Diese Favela gilt zwar als befriedet, die jugendlichen Bewohner dort möchte man dort dennoch lieber als Freunde denn als Feinde haben. Als ich endlich das Hostel dort gefunden hatte, war nicht nur nach Mailcheck meine Buchung in der Privatunterkunft abgelehnt worden, sondern auch das von mir vorgemerkte Zimmr in diesem Hostel soeben vermietet worden. Wenig später hatte ich dann allerdings trotzdem ein wunderschönes Zimmer dort und auch die Leute getroffen mit denen ich zusammen 96 Stunden Karnevals-Flow durchlebt habe - Phantastisch!!!

..die brasilianische Seite (bzw. die argentinische, denn ich stehe ja in Brasilien) der Fälle von Iguazu, ebenfalls 1+

Was die Massen an Schmetterlingen an dieser Schotterpiste suchen, wissen nur ihresgleichen. Auch ohne dieses Wissen hüpfte mein steinernes herz

Das Wissen um die Sicherung lässt den Angsthasen in einem trotzdem nicht gerne an das Reck springen, das könnt ihr mir glauben!!

Ausblick von meinem Favela-Balkon mit Zuckerhut. Kann sich sehen lassen, wie ich finde. Ich muss allerdings einräumen, dass die Häuser in der Nachbarschaft diesen Ausblick nicht verschönern würden


Olli (links neben mir) und Benjamin (rechts) beide aus Berlin, haben den Spaßfaktor in Rio für mich definitiv merklich erhöht. Die Schwulen-Gruppe hier allerdings auch. Und gestraft sei der, der nun um die Ecke denkt!

Immerhin habe ich den Besuch der Corcovado noch hinbekommen - wohl auch ein Muss in Rio

Wieder meine Berliner Peergroup, diesmal noch mit Stella, Benjamins Freundin. Wie ich später erfuhr, hätten mich an diesem Abend etwa 100 Menschen zur Hölle gewünscht, da ich im doch recht angeheiterten Gemütszustand mit meiner Kopfbedeckung so einige Kopfnüsse verteilt haben soll.

 Farbenprächtiges aus dem berühmten Sambodrom

Die letzten Mohikaner neu eingekleidet und auf dem Weg nach Hause. 

Die Miniaturausgabe unserer Favela war auf jeden Fall einen Besuch wert

 Hier kommt die Copacabana schlechter weg als in Natura, das verspreche ich euch!

Einen langweiligeren Großflughafen als den in Rio kann ich mir nicht vorstellen. Immerhin gab es EIN Cafe und einen Duty-Free-Shop!!